Schafkopfen
Schafkopfen – Touristen-Mythos und Kulturerbe
Von Jana Bodický
Für Touristen ist es ein bayerischer Mythos, für seine Fans dagegen einfach der beste Zeitvertreib der Welt - Schafkopfen. Während Maumau als Kinderkram gilt und Pokern als Verbrecherspiel, ist Schafkopfen Kult. Dieses Kartenspiel ist spannend und hochkomplex, sagen die Aktiven. Es ist gemütlich und einfach schön anzuschauen, sagen die Zuschauer.

“Nach einem harten Arbeitstag geht der Bayer ins Wirtshaus. Dort stellt er seinen Laptop zur Seite, trinkt erstmal eine Mass Bier und grantelt gegen die Wirtin und die Welt. Versöhnlich wird der Einheimische erst, wenn er auf drei Gleichgesinnte trifft, mit denen er Schafkopfen kann. Wenn er dieses National-Kartenspiel gewinnt, dann jodelt er und legt einen Schuhplattler aufs Parkett.”
Karteln als Kulturgut
Das ist natürlich ein Riesenschmarrn – und der Reiseführer eine Erfindung. Fakt ist: Das Schafkopfen gilt als bayerisches Kulturgut, den Einheimischen genauso wie den Außenstehenden. Das Spiel ist uralt und gleichzeitig quicklebendig, es ist eine Kultur des Denkens, der Mathematik und der Psychologie. Sogar als Synonym des bayerischen Charakters gilt es. Zuagroasten kann das Schafkopfen sogar zum Türöffner werden: Wenn ein Neu-Bayer sich kompetent mit an den Schafkopftisch setzt, gewinnt er vielerorts den Respekt der Alteingesessenen.
Kartenspiel: Die Sau reizenEin Stammtisch ohne zünftiges Spiel? Ein Armutszeugnis! Und damit alte und ausgefallene Kartenspiele nicht der Vergessenheit anheim fallen, hat der Bayerische Trachtenverband nachtarockt und viele Spiele und ihre Regeln gesammelt. (Abendschau, 10.11.2008)
Schafkopfen ist spannend – lesen Sie weiter!
Bildunterschrift: Nationalspiel der BayernIn unserem Dossier erfahren Sie mehr über das bayerische Nationalspiel – seine Geschichte, seine Sprache und seine Faszination. Sie werden danach sicher noch nicht selbst schafkopfen können. Aber Sie werden vielleicht ein bisschen besser verstehen, was es zu einem ganz besonderen Kartenspiel macht.
