Schnupfa wia d’Weltmoasta
Schnupfen wie die Weltmeister


Freizeit-Schnupfer packen die Schmaidose bevorzugt im Wirtshaus aus. Wenn es sie am Stammtisch nach etwas anderem als Bier gelüstet, klopfen sie eine Prise Schmalzler auf Handrücken, Unterarm oder Fingerspitze – und atmen tief ein. Hatschi! Das putzt ordentlich durch. Möglicherweise stimmen sie dann, mit ein paar Schmalzlerbröseln im Gesicht, noch zusammen das Schnupfer-Lied an.
Das Schnupfer-Lied aus dem Bayerischen Wald
| 1. Mia ham scho Madln ghabt, die ham uns gar need möng, weil miar um d’Nasn rum so voi Dawak san gwen. Mia ham nix gfrogt danach, mia hams glei säiwa gsagt: dass uns vül liawar is a Pris Dawak. |
2. Mia ham scho Weiwa ghabt, die ham si need schiniert, die ham a Dosn ghabt und an Dawak mitgführt. Und wamma kema san hoam bei da finstan Nacht, ham’s scho vo weitn gschrian: “Hast koan Dawak?” |
Ralf Gerard und Ludwig Merkle, Bayerische Kuriosa
Sportliche Schmaischnupfer

Ehrgeizige Sportschnupfer wenden sich da mit Grausen ab. Beim Preisschnupfen weht ein anderer Wind: Singen tut keiner, die Lage ist ernst. Es wird nicht genussvoll geschnupft, sondern geschäftig gestopft: Statt eine Prise vom Arm weg hochzuziehen, was gegen die Regeln wäre, schaufeln sich Kampfschnupfer den Schmai mit einem einzigen Finger in die Nase. Und zwar so schnell wie möglich: Wer binnen einer Minute am meisten Tabak aus der Dose in seinen Zinken befördert hat, gewinnt. Für den besseren Grip feilen sich echte Profis sogar den langen Fingernagel ihres Schnupferfingers zurecht. Aber das wichtigste: Hinterher bloß nicht niesen! Sofortige Disqualifikation des Nasen-Athleten wäre die Folge.
Losschnupfen auf Kommando: Je mehr, desto besser
Titus Arnu, GeoSpezial Bayern
“Spitzen-Schnupfer ziehen sich in einer Minute mehr als fünf Gramm Tabak rein. Anderso würde dieses Verhalten als öffentlicher Drogenkonsum eingestuft, in Bayern gilt das Schnupfen als Volkssport.”
Jeweils sechs Schnupfer treten gleichzeitig gegeneinander an – in weißen Lätzchen, auch “Paverl” genannt. Wenn es heißt “Schnupfer fertig machen! – Dosen öffnen! – Achtung, fertig, los!”, läuft die Uhr. Reinschaufeln was geht, heißt die Devise. Aber ohne, dass der Tabak wieder aus der Nase fällt: Das wäre der Supergau für Sportschnupfer. Nach einer Minute sitzen die Kontrahenten still, zur Wertung. Zuerst gibt es Sauberkeitspunkte, umso mehr, je weniger Schmai man im Gesicht oder anderswo hat. Dann werden die Tabakreste sorgfältig zusammengepinselt, in die Dosen zurück geschüttet – und auf einer Präzisionswaage genauestens abgewogen. Denn jedes zurückgebliebene Zehntelgramm Tabak gibt Abzüge.
WM-Favoriten: Immer die Schwaben!
Als exzellente Schnupfer tun sich übrigens seit Jahren die Schwaben hervor. Genauer gesagt: Die im Verein organisierten Nasen-Sportler aus Unterbuch. Bei der alle zwei Jahre stattfindenden Schnupfer-WM stehen die Unterbucher quasi jedes Mal auf dem Siegertreppchen. Nur in einer Disziplin können die Schwaben dort schlecht punkten: beim Streifen-Schnupfen. Bei der WM ist diese Freestyle-Art nämlich nicht im Programm. Bei einigen Schnupferclubs ist das Streifen-Schnupfen dafür umso beliebter: Man streut sich dabei den Schmalzler der Länge nach auf den Arm und schnupft ihn dann in einem Zug auf. Könner schaffen bis zu 30 Zentimeter!
Schmalzler-Grundrezept

Für Schmalzler werden Tabakblätter mindestens vier Wochen in einer Zuckersoße fermentiert, die zum Teil mit Aroma versetzt ist. Dann wird der Baatz zu Pulver zerrieben und schließlich mit geruchlosem Öl vermischt, das das Erzeugnis feucht hält. Früher verwendete man dazu Schmalz – daher der Name.
Weltmeisterlich auch in der Produktion
Auch in der Herstellung von Schmalzler & Co. haben die Bayern übrigens die Nase vorn: Die weltgrößte Schnupftabakfabrik, Pöschl Tabak GmbH & Co. KG, hat ihren Sitz bei Landshut und stellt rund 80 Sorten her. Jede zweite Schnupftabakdose, die auf der Welt über den Ladentisch geht, stammt “vom Pöschl”. In Deutschland hält die Firma sogar einen Marktanteil von über 90 Prozent. Na dann “Allzeit gut Schnupf!”, wie sich Schmai-Sportler in der Fachsprache gegenseitig wünschen.