Stoaheben
Stoaheben
Es erinnert an archaiche Rituale, wenn Männer auf ein Podest emporsteigen, um einen Felsen hochzuheben. In früheren Jahrhunderten wurden damit vielleicht die Schönste der Schönen beeindruckt, heute ist es ein knallharter Sport um Titel, Ehre und ein bisschen Preisgeld.
Von Florian Danner
Das Ziel beim Stoaheben ist klar: Ein Granitstein von 508 Pfund muss einen Meter hoch gehoben werden. Ist das geschafft, wird das Gewicht erhöht, in 50-Pfund-Schritten. Die Stoaheber stehen breitbeinig auf dem Podest, in dessen Mitte der Stein versenkt ist. Eine Anzeige misst ihre Hubleistung – der Höchstheber gewinnt. Die aktuelle Höchstleistung liegt bei 97,9 cm, die Florian Trimpl beim Lechfeldcup 2008 mit 658 Pfund (329 kg) erreichte.
Höhenrekord

Den Höhen-Rekord im Stoaheben hält Hans Zerhoch: Auf 1,28 Meter Höhe hob er den 254 Kilo schweren Stein, bevor der Landesverband bayerischer Steinheber 1989 die maximale Wettkampfhöhe auf einem Meter limitierte. Seitdem gibt es neue Höchstleistungen nur mehr über die Erhöhung der Gewichte.
Diese Maßnahme wurde getroffen, um Rücken und Knie der Steinheber zu schonen. Denn je höher das Gewicht gezogen wird, desto mehr werden diese sensiblen Bereiche des Körpers belastet.
Stoaheber sind Hochleistungssportler.
Hartes Training für den Wettkampf
Ex-Weltmeister Hans Strobl absolviert jedes Frühjahr ein zehnwöchiges Aufbauprogramm, um dann topfit in die Wettkämpfe zu starten. Das bedeutet: Ausdauertraining und ganz spezifisch für Stoaheber: Kniebeugen, Kreuzheben und Bankdrücken.
Kleines Beispiel für sein Training: Beim Kreuzheben beginnt er in der ersten Woche mit 220 kg, am Ende geht’s über 300 kg.
Die wichtigsten Meisterschaften sind: Alpenländische, Bayerische und Deutsche Meisterschaften.
Stoaheben hat in Bayern Tradition
Der Beweis für die Tradition des Stoahebens in Bayern liegt übrigens in der Einfahrt der Münchner Residenz: Ein Stein mit 364 alten bayerischen Pfund (à 560 g) Gewicht. Herzog Christoph von Bayern (1449-1493) hat ihn gelupft – angeblich sogar hundert Fuß weit geworfen.

Der legendärste bayerische Stoalupfer heisst allerdings Hans Steyrer. Er soll 508 Pfund allein mit seinem rechten Mittelfinger bewegt haben. Geboren wurde Hans Steyrer 1849 in München-Pasing. Berühmt wurde der Wirtsmetzger als “bayerischer Herkules”. 1908 wurde er auf dem Münchner Ostfriedhof beerdigt. Zur Erinnerung an ihn findet im Löwenbräukeller jedes Jahr zur Starkbierzeit ein großes Stoalupfen statt.
Steinheben Landesverband Bayern e.V.:
_http://www.steinheben-lvb.de/_